Leben nach dem Vulkanausbruch

138 Tage lang, von Oktober 2011 bis März 2012, hat er seine Umgebung in eine lebensfeindliche Wüste verwandelt: der Unterwasservulkan Tagoro vor der Kanaren-Insel El Hierro, der sogar aus dem Weltraum zu sehen war. Geschmolzene Lava und giftige Gase haben jedes Leben in mehreren Kilometern Umkreis vernichtet. Als Folge des Ausbruchs bildete sich ein Vulkankegel, der vom 363 Meter tiefen Seegrund bis auf 89 Meter Tiefe wuchs. Die Wassertemperatur stieg ebenso wie der Gehalt an Kohlendioxid und Schwefelwasserstoff, während der Sauerstoffgehalt fiel.

Der Tagoro befindet sich weit von anderen Unterwasservulkanen entfernt, an die dortigen Verhältnisse angepasstes Leben gab es hier also nicht. Umso überraschter waren Forscher, als sie 32 Monate nach dem Ausbruch die Spitze des Vulkans von einer dichten Matte bedeckt fanden, die aus bis zu drei Zentimeter langen, weißen Strängen eines bisher unbekannten Bakteriums bestanden. Die Forscher tauften es wegen seines Aussehens mit dem Populär-Namen „Venus-Haar“ und gaben ihm die wissenschaftliche Bezeichnung Thiolava veneris. Das Bakterium besitzt ein paar ungewöhnliche Eigenschaften, die es für ein Überleben an lebensfeindlichen Orten wie diesem vorbestimmen: Es kann Energie gewinnen, indem es Schwefel bzw. Schwefelverbindungen oxidiert, besitzt aber zusätzlich drei verschiedene Wege, Kohlendioxid zu atmen und kann außerdem organische Stoffe zersetzen.

Verblüfft hat die Forscher dabei, wie das Bakterium den Vulkan so schnell erreicht hat, Punkt 1, und wie schnell sich daraufhin ein neues Ökosystem gebildet hat, Punkt 2, denn es fanden sich auch ungewöhnliche höhere Arten, die auf und von den Bakterienmatten lebten. Leben, so scheint es, vermag es immer wieder überraschend gut, selbst die unwirtlichsten Orte zu besiedeln.

Lichtmikroskopische Aufnahme eines Thiolava-veneris-Filaments in 10facher Vergrößerung, das die Forscher der festen Lava entnommen haben (Bild: Roberto Danovaro)

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