Marslandung im Oman: eine ganz besondere Recherche

In einem meiner nächsten Bücher soll der Mars eine Hauptrolle bekommen. Deshalb hat es mich besonders gefreut, an der Mission Amadee-18 des Österreichischen Weltraum Forum teilnehmen zu können (ein Artikel von mir über dieses Abenteuer ist am übernächsten Samstag in FOCUS zu lesen, ein weiterer folgt in der Ausgabe 3/2018 von SPACE). Ich will hier nichts vorwegnehmen, aber ein paar Reise-Details ergänzen.

Abgeholt wurde ich am 31. Januar um 6 Uhr morgens an der Sultan-Quaboos-Moschee in Salalah. Salalah ist eine wichtige Hafenstadt im Süden des Oman, früher war sie ein Zentrum des Weihrauch-Handels, heute ankern hier riesige Container-, Gas- und Öl-Frachter. Der Bus, der mich und zwei Forscher abholte, war von der Omanischen Armee gestellt, die bei dem ganzen Projekt eine wichtige Rolle spielte, gemeinsam mit dem staatlichen Ölunternehmen PDO. Wir fuhren zunächst zu dem kleinen Flughafen Marmul, der lediglich von der Ölindustrie genutzt wird. Dort trafen wir dann auf die komplette Crew, die mit einem Flieger der PDO aus der omanischen Hauptstadt Muscat gekommen war.

Dann ging es in die Wüste, vorbei an Ölbohrungen, in Fahrzeugen von PDO, geschützt von der Armee. Der Oman ist zwar ein sehr sicheres Land mit äußerst niedriger Kriminalitätsrate, grenzt jedoch im Süden an den umkämpften Jemen. Das Camp wurde deshalb auch rund um die Uhr von einem Armeefahrzeug überwacht, Besucher mussten einen Checkpoint der Armee passieren. In der täglichen Arbeit hat das nicht gestört. Da fiel vor allem die Herzlichkeit der Soldaten auf, die neugierig immer wieder das Gespräch suchten. Im Oman, das ist mir auch in Salalah aufgefallen, fühlt man sich als Besucher wirklich willkommen, wird auf der Straße freundlich angesprochen und bekommt immer ein Lächeln gratis.

Auf den letzten Kilometern mussten wir dann in geländegängige Jeeps umsteigen, weil der Bus nicht mehr weiterkam. Tatsächlich haben sich später durchaus auch die 4×4-Fahrzeuge gern mal eingegraben. Den Trailer, der später einen Frachtcontainer brachte, musste ein Armeefahrzeug aus dem Sand ziehen. Aber das war ja auch die Idee: Die Wüste des Oman ist der Mars-Oberfläche sehr ähnlich und deshalb bestens zum Test von Weltraum-Technik geeignet.

Im Vordergrund die aufblasbaren Kuppeln, hinten rechts die Wohncontainer

Das komplette Camp war bei unserer Ankunft bereits aufgebaut. Hier haben die omanischen Partner erstaunliches geleistet. Speisezelt und Küchen-LKW waren bereit. Crew und Besucher bekamen Zweibettzimmer in klimatisierten Containern mit eigener Dusche und Toilette. Strom produzierten zwei kräftige Dieselgeneratoren, nur Wasser musste gespart werden – maximal alle drei Tage war eine Dusche genehmigt.

Die aufblasbare 17-Meter-Kuppel, die sich auf den Bildern so schön macht, war ebenfalls eine Idee der Omanis. Hier fanden später einige der mitgebrachten Experimente Unterschlupf. Doch zunächst ging es langsam los. Der Frachtcontainer mit Raumanzügen, Technik und so weiter war durch einen Sturm verspätet angekommen. Das Camp erreichte er deshalb erst am zweiten Tag. Doch es gab auch vorher genug zu tun – vor allem aufzuräumen. Der Staub, der durch alle Ritzen drang, machte den Alltag nicht leichter. Aber die klare Wüstenluft haben mich so gut schlafen lassen wie lange nicht. Als Zusatzprogramm wurde dann am Abend des 31. Januars noch eine Mondfinsternis geboten.

Der Schatten der Erde über dem Wüstenmond

Am Abend des 1. Februar erreichte der Container dann endlich das Lager. Jetzt wurde es hektisch, denn schon am übernächsten Tag war eine Delegation der Omanischen Astronomischen Gesellschaft angekündigt, und den Gästen sollte natürlich etwas gezeigt werden. Für die meisten Teilnehmer war deshalb kaum vor Mitternacht Arbeitsschluss. Ich muss dazu ergänzen, dass es sich durchweg um Freiwillige handelt, die für diese Zeit Urlaub genommen haben. Tatsächlich gelang es, bis zum 3. Februar fast alles einsatzbereit zu haben. Den autonomen Roboter Husky konnte ich mit seinen beiden »Vätern« von der TU Graz durch Sandhügel begleiten. Die Raumanzug-Simulatoren »Aouda-X« und »Aouda-S«, beide etwa so teuer wie ein Ferrari, dürfen nur ausgebildete Analog-Astronauten anziehen, aber ich konnte zumindest Elemente selbst testen, etwa das Exoskelett. Es sorgt für Realismus, indem es seinem Träger bei jeder Bewegung Kraft abverlangt, wie das bei einem echten Raumanzug auch der Fall wäre. Der ist nämlich unter Druck, was Bewegungen deutlich erschwert.

Das Exoskelett macht jede Bewegung anstrengender

Was kann ich noch hervorheben? Das Team scheint mir eine eingeschworene Gemeinschaft zu sein. Der Arbeitstag ist durch den lange vorher ausgearbeiteten Flugplan strikt vorgegeben, aber trotzdem fehlt der Spaß nicht. So stehen unter anderem Quads bereits, mit denen Ausflüge in die Wüste möglich sind. Die eigentlichen Außeneinsätze mit Aouda, die EVAs, sind harte Arbeit. Am 8. Februar, dem „Landing Day“, geht es damit offiziell los. Die Astronauten erhalten dabei bestimmte Aufgaben (»untersuche die Bodenschicht an dem und dem Hügel«), die Sie gemeinsam mit einem betreuenden Wissenschaftler auf der »Erde« (im Mission Support Center in Innsbruck) erfüllen. Die Kommunikation ist dabei in beide Richtungen um je zehn Minuten verzögert, wie es auch auf dem Mars wäre. Interessant sind dabei für die Forscher psychologische und physiologische Aspekte. Wie gut funktioniert die Zusammenarbeit? Wie schnell lässt die Leistungsfähigkeit nach? Und wie sieht das alles zwei Wochen später aus? Fast alles wird aufgezeichnet und dokumentiert. Bevor die Menschheit zum Mars startet, sollte man ungefähr wissen, wie oft sich ein Astronaut woran und wie verletzt (es gibt auf dem Mars keine Apotheke), welche Krankheiten häufig auftreten, wie sich der Appetit entwickelt, und nicht zuletzt auch: wie man das Team bei Laune hält. Deshalb beginnt am 10. Februar die Isolationsphase, wo kein Besuch von außen mehr zugelassen ist.

Was habe ich für meinen künftigen Mars-Roman gelernt? Es ist alles noch viel schwieriger, als man gemeinhin denkt. Oder, wie es »Field Commander« Gernot Grömer formulierte: »Nicht der Staubsturm bringt dich um, sondern ein verstopfter Filter in einer Umwälzpumpe.«

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