Wie Plutos gigantische Eiswände entstanden

2015 hat die NASA-Sonde „New Horizons“ auf dem Zwergplaneten Pluto Geländeformationen entdeckt, die nicht ohne Grund den englischen Namen „bladed terrain“ bekommen haben: Es handelt sich um bis zu 500 Meter hohe und drei bis fünf Kilometer voneinander entfernte, scharfkantige Wände aus Methaneis, das an gewaltige Klingen erinnert. Geologen kennen diese Formen von der Erde: Sie heißen Penitentes und treten vor allem in niedrigen Breiten (also in Äquatornähe) und dort in großen Höhen auf. Genau wie auf Pluto – nur bestehen die Klingen hier aus Wassereis, auf Pluto aus Methaneis.

In Icarus beschreiben Forscher jetzt, wie diese exotischen Formationen auf Pluto entstehen. Es hat letztlich alles – wie auf der Erde – mit den klimatischen Bedingungen zu tun. In Äquatornähe gibt es mehr Niederschläge als an den Polen. Bei uns regnet es Wasser, auf Pluto können Methan und Stickstoff abregnen. Aber je größer die Höhe, konkret ab 2000 Metern, desto eher kommt es zu Methan- statt zu Stickstoffablagerungen – daran ist die mit der Höhe steigende Temperatur Schuld. Die spezielle Form entsteht aber nicht sofort, sondern durch Erosion über eine lange Zeit. Wenn das Klima auf Pluto für gewisse Zeit wärmer wird, verflüchtigt sich ein Teil des Methans wieder in die Atmosphäre und hinterlässt die seltsamen Strukturen.

Das bedeutet im Umkehrschluss: wenn sich irgendwo Penitentes finden lassen, dann muss die Oberfläche dort höher sein als anderswo. Das erlaubt es den Astronomen, die nicht vollständig erfassten Höhen-Karten von Pluto mit Daten zu ergänzen.

Penitentes in der Chajnantor-Ebene in Chile. Sie werden nur ein, zwei Meter hoch (Bild: Wikimedia Commons/ESO)
Das „bladed terrain“ in der Tartarus Dorsa auf Pluto. Die Eiswände sind bis zu 500 Meter hoch und bestehen aus Methaneis. (Bild: NASA/JHUAPL/SwRI)

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