Salzige Mars-Pfützen kein Lebensraum

Auf der Oberfläche des Roten Planeten können normale Gewässer unter heutigen Bedingungen nicht mehr für längere Zeit existieren. Möglich wäre aber, dass stark salzhaltige Feuchtigkeits-Reservoirs an der Oberfläche („Pfützen“, in der Fachsprache „Brines“) oder dicht darunter für einige Zeit stabil bleiben, vor allem im Mars-Frühjahr und -Sommer, wenn Eis-Ablagerungen tauen. Ob diese Pfützen allerdings für Leben, wie wir es kennen, geeignet sind, ist fraglich.

2018 machten Meldungen Schlagzeilen, wonach diese Brines durchaus lebensfreundliche Bedingungen aufweisen könnten. Dafür sprach die Tatsache, dass sich unter den auf dem Mars herrschenden Bedingungen Sauerstoff sehr gut in den Brines lösen müsste. Während die Atmosphäre unseres Nachbarplaneten nur 0,145 Prozent Sauerstoff aufweist (Erde: 21 Prozent), könnten die Brines vergleichsweise sauerstoffreich sein und Mikroorganismen damit eine Lebensgrundlage bieten.

Eine jetzt in Nature Astronomy veröffentlichte Studie dämpft solche Hoffnungen allerdings stark. In einem thermodynamischen Modell der Mars-Oberfläche zeigen die Forscher, dass solche Salz-Pfützen auf bis zu 40 Prozent der Mars-Oberfläche bis hinunter zum Äquator zumindest für bis zu sechs Stunden und über 2 Prozent eines Mars-Jahres existieren könnten – in einer Tiefe von 8 Zentimetern unter dem Boden sogar für bis zu 10 Prozent des Mars-Jahres. Aber leider zeigt sich auch, dass das Wasser darin viel zu kalt wäre, nämlich maximal -48 Grad Celsius. Der hohe Salzgehalt führt zwar dazu, dass es trotzdem nicht einfriert. Doch terrestrisches Leben könnte unter diesen Bedingungen nicht existieren.

Das ist zumindest in einem Aspekt auch eine gute Nachricht: Wir brauchen nicht zu befürchten, den Mars mit irdischen Bakterien zu verseuchen, weil diese eben nicht überleben könnten (was tatsächlich eine Entwrnung für die irdische Raumfahrt darstellt). Dass wir uns deshalb nicht vor den an den Dauerfrist gewöhnten Mars-Killerbakterien hüten müssen, ist damit nicht gesagt. Stoff für Mars-Horrorromane gibt es also weiterhin.

Bei diesen dunklen Mustern, vom Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) im Mars-Sommer rund um den Newton-Krater aufgenommen, könnte es sich um fließendes Salzwasser handeln (Bild: NASA/JPL-Caltech/Univ. of Arizona)

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BrandonQMorris
  • BrandonQMorris
  • Brandon Q. Morris, 54, ist Physiker und beschäftigt sich beruflich und privat schon lange mit den spannenden Phänomenen des Alls. So ist er für den redaktionellen Teil eines Weltraum-Magazins verantwortlich und hat mehrere populärwissenschaftliche Bücher über Weltraum-Themen geschrieben. Er wäre gern Astronaut geworden, musste aber aus verschiedenen Gründen auf der Erde bleiben. Ihn fasziniert besonders das „was wäre, wenn“. Sein Ehrgeiz ist es deshalb, spannende Science-Fiction-Geschichten zu erzählen, die genau so passieren könnten – und vielleicht auch irgendwann Realität werden.