Wie sich das Lesen von Hard Science Fiction auswirkt

In meinem aktuellen Buch „Die Bake“ lade ich zu einer Umfrage ein, genauer gesagt zu zwei Umfragen. Eine sollen Leser*innen ausfüllen, bevor sie mit der Lektüre starten, die andere danach. Die Idee dahinter: Ich wollte herausfinden, welche Wirkung des Lesen realistischer Science-Fiction hat. Mal von Unterhaltung, Ablenkung und Zeitvertreib abgesehen, was in diesen Zeiten ja keine schlechten Nebenwirkungen sind. Hier nun mal eine kleine Auswertung. Herzlichen Dank an alle, die sich beteiligt haben! Wer noch nicht mitgemacht hat und sein Wissen prüfen möchte: Die Umfrage läuft noch. Dann bitte hier nicht weiterlesen, sondern erst einmal auf diesen Link klicken.

Zunächst habe ich nach ein paar biografischen Daten gefragt. Die Antwortenden sind im Mittel 54 Jahre alt (zufällig exakt mein Alter). Der oder die Jüngste war 12, der oder die Älteste 80. Herzliche Grüße in diese Richtung! Drei Viertel der Teilnehmenden identifizierten sich als männlich, ein Viertel als weiblich, eine*r als divers. 40 Prozent der Leser*innen nannten einen Hochschulabschluss. Der Rest der Bildungsgrade verteilt sich über das gesamte Spektrum, vom Hauptschulabschluss bis zur Fachschule. Etwa ein Drittel hatte bereits all meine Bücher gelesen, ein weiteres Drittel mindestens zehn.

Aber nun zu den fachlichen Fragen.

  • Was ist Stacking? Das wussten vorher 77%, danach 98%.
  • Was ist Seeing? Vor der Lektüre wussten es 45% richtig, danach 79%.
  • Was empfängt ein Radioteleskop? Hier war eine knifflige Mehrfachauswahl möglich. Nicht angekreuzt werden sollten Licht, Neutrinos und Gammastrahlen. Deren Anteil halbierte sich nach der Lektüre ungefähr.
  • Wie groß sind Gelbe Zwerge ungefähr? Unsere Sonne IST ein gelber Zwerg, also war die Antwort „wie unsere Sonne“ korrekt. Vor dem Buch wusste das die Hälfte, danach neun von zehn.
  • In welchen Standards werden CubeSats gebaut? Die 1U-Angaben kannten vorher 43%, danach 93%
  • Welche Zellen sind hauptsächlich für das Nachtsehen zuständig? Mit den Stäbchenzellen lagen vorher zwei Drittel richtig, danach 94%.
  • Wie groß ist der Druckunterschied zwischen Raumschiffkabine und Vakuum? 1 Bar. Das wussten vor der Lektüre drei Viertel, danach 87%.
  • Was ist die Rektaszension? Damit konnte vorher nur jede*r Vierte etwas anfangen, danach fast die Hälfte.
  • Welcher Stern strahlt am Nachthimmel am hellsten? Die Frage war etwas fies gestellt. Tatsächlich ist Sirius mit mag -1,46 der hellste Stern am Nachthimmel. Aber Sirius stand ja nicht auf der Liste. Damit wäre ein „Stern mit mag -1“ von der vorgegebenen Liste der hellste Stern. Das haben nach der Lektüre etwa gleich viele Antworten wie vorher richtig (einer von vier).
  • Welches dieser Teilchen wechselwirkt am seltensten mit Materie? Das ist das Neutrino, was vorher und nachher etwas mehr als drei Viertel korrekt antworteten. Der Anteil des Neutrons an den falschen Antworten sank, dafür stieg interessanterweise der Anteil des Myons signifikant.

So weit zu den Fakten. Wie sieht es mit den Interessen aus?

  • Für Mathematik interessieren sich nach der Lektüre 37%, vorher 32%.
  • Astronomie finden vorher 70% spannend, danach ebensoviele.
  • Der Anteil der Physik-Interessierten bleint stabil bei zwei Dritteln.
  • Das gilt ebenso für Kosmologie (ebenfalls zwei Drittel), Chemie (jede*r Vierte) und Philosopie (ein Drittel).
  • Das Interesse an Raumfahrttechnik steigt um immerhin fünf Prozentpunkte von 73 auf 78%.

Der Anteil derer, die sich ein Teleskop kaufen wollen, stieg nach der Lektüre von 10 auf 17%, also fast eine Verdoppelung.

Schließlich noch zu den in der Umfrage abgefragten Einstellungen. Wie denken SF-Leser und -Leserinnen über das Universum und die Raumfahrt? Immerhin fast jede*r Fünfte wollte vor der Lektüre ohne Rückflugticket zum Mars fliegen, danach nur noch jede*r Zehnte.

  • Die Menschheit sollte einen zweiten Planeten besiedeln: 50% (keine Änderung)
  • Die Menschheit sollte im All nach Signalen anderer Intelligenzen suchen: 70% (keine Änderung)
  • Bevor wir ins All fliegen, sollte wir unsere Probleme am Erdboden lösen: 33% (keine Änderung)
  • Wir sind nicht allein im All: 85% (keine Änderung)
  • Die Ausgaben für die Raumfahrt sind zu hoch: vorher 8%, danach 5%
  • Ich würde ohne Rückflugticket zum Mars reisen: vorher 18%, danach 9%
  • Außerirdische sind längst unter uns: vorher 9%, danach 4%
  • Wir werden nie schneller als mit Lichtgeschwindigkeit reisen: 50% (keine Änderung)
  • Die Menschheit sollte zusammenarbeiten, um das Weltall zu erschließen: 90% (keine Änderung)

Spannende Daten, finde ich! Recht herzlichen Dank, dass Sie sich so rege beteiligt haben. Es gab in der ersten Umfrage über 500, in der zweiten über 350 Antworten.

Die Verlosung des Buchpakets findet am 15. Mai statt.

One Comment

  • Genau das ist der Grund warum ich Hard SF oder Wissenschafts Thriller lese. Unbewusstes lernen, dabei noch spannend unterhalten werden. Kann doch fast nichts Besseres geben. Ich danke Dir dafür.

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BrandonQMorris
  • BrandonQMorris
  • Brandon Q. Morris, 54, ist Physiker und beschäftigt sich beruflich und privat schon lange mit den spannenden Phänomenen des Alls. So ist er für den redaktionellen Teil eines Weltraum-Magazins verantwortlich und hat mehrere populärwissenschaftliche Bücher über Weltraum-Themen geschrieben. Er wäre gern Astronaut geworden, musste aber aus verschiedenen Gründen auf der Erde bleiben. Ihn fasziniert besonders das „was wäre, wenn“. Sein Ehrgeiz ist es deshalb, spannende Science-Fiction-Geschichten zu erzählen, die genau so passieren könnten – und vielleicht auch irgendwann Realität werden.

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