Wieso enthält der interstellare Komet 3I/Atlas so viel mehr Alkohol als Kometen unseres Sonnensystems?
Während unsere heimischen Kometen eher wie eine unschuldige Teestunde wirken, ist 3I/Atlas der Gast, der die Spirituosenabteilung leergekauft hat. In »unseren« Kometen ist Cyanwasserstoff (HCN, auch als Blausäure bekannt) so etwas wie der Standard-Drink. 3I/Atlas enthält zwar ähnliche Mengen an HCN. Der eigentliche Clou – gerade u.a. vom ALMA-Teleskop in den Anden festgestellt – besteht darin, dass 3I/Atlas etwa siebzig bis hundertzwanzig mal mehr Methanol (Methylalkohol) als Cyanwasserstoff an Bord hat.
Der Komet ist damit so etwas wie eine fliegende Fusel-Praline. Das Methanol sitzt bei ihm jedoch nicht nur fest im Kern, sondern wird auch aus winzigen Eiskörnern in seiner Wolke (Koma) freigesetzt. Er zieht also eine riesige Wolke aus Promille-Staub hinter sich her.
Und wieso? Das Heimatsystem des Kometen hat offenbar bei seiner Entstehung eine wildere Party gefeiert als unser eher nüchternes Sonnensystem. 3I/Atlas ist der Beweis dafür, dass es da draußen Regionen gibt, die es mit der Promillegrenze bei der Planetenentstehung nicht so genau nehmen. Oder seriöser ausgedrückt: 3I/Atlas erlaubt es uns, Kenntnisse über die Entstehung und Entwicklung weit entfernter Systeme zu sammeln, als wären wir dort.
Das ist besonders spannend, wenn man die Schätzungen von Wissenschaftlern berücksichtigt, dass sich zu jedem beliebigen Zeitpunkt etwa zehntausend (!) interstellare Objekte ab etwa hundert Metern Durchmesser (bisher) unerkannt innerhalb der Umlaufbahn von Neptun aufhalten. Immerhin sieben interstellare Objekte pro Jahr ziehen sogar innerhalb einer Astronomischen Einheit (Abstand Erde-Sonne) an der Erde vorbei. Wenn wir es schaffen, sie zu entdecken, könnten wir ebenso viele fremde Sonnensysteme erforschen, ganz ohne die langwierige Anreise.