Wieso ist der Eisriese Neptun immer noch warm?

Neptun ist der äußerste Planet des Sonnensystems. An seiner Oberfläche ist es trotzdem noch etwa 72 Grad warm (allerdings Kelvin, was -201 Grad Celsius entspricht). Der Planet gibt dabei etwa 2,6-mal so viel Energie ab, wie er von der Sonne erhält, und sein Kern ist wahrscheinlich bis zu 7000 Kelvin heiß.
Die Hitze hat drei Quellen.
Erstens ist immer noch etwas aus der Zeit seiner Geburt übrig. Neptun ist vor 4,5 Milliarden Jahren durch die Kollision und Zusammenballung von Materie entstanden. Dieser Prozess hat damals enorme Hitze erzeugt. Wegen seiner Größe und Zusammensetzung speichert Neptun seine Ur-Wärme effizienter als kleinere Gesteinsplaneten wie die Erde.
Aber das genügt nicht. In den mittleren Schichten von Neptun herrscht ein solcher Druck, dass Methan-Moleküle in ihre Bestandteile – Kohlenstoff und Wasserstoff – zerfallen. Der Kohlenstoff kristallisiert dann zu Diamanten, die wie schwerer Hagel in Richtung Kern sinken. Dabei entsteht zum einen Reibung und es wird zum anderen potenzielle Energie freigesetzt, sodass gravitativ Wärme entsteht.
Schließlich besitzt Neptun wie die Erde einen festen Kern. Darin stecken radioaktive Isotope, die langsam zerfallen und über Jahrmilliarden hinweg Wärme freisetzen.
In ein paar Milliarden Jahren könnte das ganz praktisch sein – Neptun wird nämlich noch deutlich länger innerlich warm bleiben als die Erde. Zugleich ist er weit genug von der Sonne entfernt, um nicht irgendwann von ihr verschluckt zu werden.

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

BrandonQMorris
  • BrandonQMorris
  • Brandon Q. Morris, 54, ist Physiker und beschäftigt sich beruflich und privat schon lange mit den spannenden Phänomenen des Alls. So ist er für den redaktionellen Teil eines Weltraum-Magazins verantwortlich und hat mehrere populärwissenschaftliche Bücher über Weltraum-Themen geschrieben. Er wäre gern Astronaut geworden, musste aber aus verschiedenen Gründen auf der Erde bleiben. Ihn fasziniert besonders das „was wäre, wenn“. Sein Ehrgeiz ist es deshalb, spannende Science-Fiction-Geschichten zu erzählen, die genau so passieren könnten – und vielleicht auch irgendwann Realität werden.