Wieso pustet jeder Stern Blasen ins All?

Jeder Stern, auch unsere Sonne, sendet einen ständigen Strom aus geladenen Teilchen ins All, den sogenannten Sternwind. Wenn dieser »Wind« mit hoher Geschwindigkeit nach außen rast und auf Gas und Staub des interstellaren Raums trifft, entsteht eine Barriere. Hinter ihr formt sich die sogenannte Astrosphäre – eine schützende Blase, die den Stern und seine Planeten wie ein Kokon umgibt.

Mit Hilfe des Chandra-Röntgenobservatorium hat die NASA dieses Phänomen jetzt an dem Stern HD 61005 beobachtet. Er trägt den Spitznamen »Motte«, da Infrarotbilder zwei Flügel aus Staub zeigen, die wie die Schwingen eines Nachtfalters aussehen.

HD 61005 bietet uns damit einen spannenden Weg, in die Vergangenheit unserer eigenen Sonne zu blicken. Mit nur 100 Millionen Jahren ist er ein kosmischer Teenager. Die Chandra-Aufnahmen zeigen nun, dass die Winde, die er entlässt, im Vergleich zu denen unserer heutigen, ruhigeren Sonne extrem kraftvoll sind, nämlich dreimal so schnell und fünfundzwanzig mal so dicht.

Die Motte hat es dabei aber auch nicht leicht, weil der Stern gerade einen Bereich relativ hoher Dichte durchquert. Dadurch wird seine Astrosphäre zusammengedrückt. Würde sich unsere Sonne ebenfalls durch diese Umgebung quälen müssen, würde unsere schützende Heliosphäre nur bis zur Umlaufbahn des Saturn reichen. Oder, andersherum betrachtet, hätte die Motte eine zehnmal größere Astrosphäre, stünde sie an der Stelle unserer Sonne.

Das ist nicht ganz unwichtig, weil wir natürlich mitsamt unserer Sonne mit bis zu 250 Kilometern pro Sekunde (900.000 km/h) ständig durch das All fliegen und so auch mal eine etwas staubigere Gegend erreichen könnten. Die Heliosphäre, die gepustete Blase unserer Sonne, ist ein wichtiger Verteidigungswall gegen die kosmische Strahlung.

Der Stern “Die Motte” im ultravioletten und infraroten Licht.

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BrandonQMorris
  • BrandonQMorris
  • Brandon Q. Morris, 54, ist Physiker und beschäftigt sich beruflich und privat schon lange mit den spannenden Phänomenen des Alls. So ist er für den redaktionellen Teil eines Weltraum-Magazins verantwortlich und hat mehrere populärwissenschaftliche Bücher über Weltraum-Themen geschrieben. Er wäre gern Astronaut geworden, musste aber aus verschiedenen Gründen auf der Erde bleiben. Ihn fasziniert besonders das „was wäre, wenn“. Sein Ehrgeiz ist es deshalb, spannende Science-Fiction-Geschichten zu erzählen, die genau so passieren könnten – und vielleicht auch irgendwann Realität werden.