Wo könnte es auf der Venus Leben geben?
In den Wolken!
Unser Nachbarplanet Venus ist ein Ort der Extreme. An seiner Oberfläche schmilzt Blei und der Druck dort würde einen Besucher zerquetschen. Doch fünfzig Kilometer darüber existiert eine Zone, in der die Bedingungen überraschend verträglich sind. Hier sinken die Temperaturen auf angenehme 20 bis 50 Grad Celsius, und der Luftdruck entspricht fast genau dem an der Erdoberfläche. Diesen schmalen Korridor fassen Astrobiologen als eine Art Habitat ins Auge. Womöglich existieren in den Aerosoltröpfchen schwebende Mikroorganismen. Diese Venus-Bewohner müssten allerdings in einer Umgebung aus konzentrierter Schwefelsäure gedeihen, die für irdisches Leben tödlich wäre.
Wissenschaftler diskutieren seit Jahren über chemische Besonderheiten, die in dieser Schicht entdeckt wurden. Dabei steht das Gas Phosphin im Vordergrund, da es zumindest auf der Erde fast ausschließlich durch biologische Prozesse oder industrielle Tätigkeiten entsteht. Daneben wurde auch Ammoniak gefunden, mit dessen Hilfe die Mikroben die sauren Tröpfchen in ihrer Umgebung neutralisieren könnten.
Ob das alles mehr als eine Theorie ist, werden wir vielleicht schon bis Ende 2027 erfahren. Denn im Frühsommer 2026 soll der »Venus Life Finder« starten, eine private, von der Raketenfirma Rocket Lab und dem MIT geplante Sonde. Ziel ist es, organische Moleküle vor Ort nachzuweisen. Die Mission hat dabei nur wenige Minuten in der Zielzone. Die von ihr gewonnenen Daten könnten aber darüber entscheiden, ob wir die Venus weiterhin als toten Planeten betrachten. Weitere Missionen wie DaVinci (NASA, 2031) oder EnVision (ESA, 2034) könnten sich die Bedingungen dort dann genauer ansehen.