Neues vom Warp-Antrieb: ein Problem weniger

Manchmal gibt es seltsame Zufälle. Gestern habe ich hier noch berichtet, dass „befahrbare“ Wurmlöcher auch ohne die Zugabe negativer Energie realisierbar sein könnten. Das ist ein wichtiger Fortschrift, weil es für negative Energie keine natürliche Quelle gibt.

Das einzige, was wir tun können, um ein klein wenig negative Energie zu erhalten, ist das Universum auszutricksen. Wir entnehmen ihm die negative Energie, solange es nicht hinsieht, und geben sie zurück, bevor es überhaupt etwas davon gemerkt hat. Diese Lücke bietet uns die Unschärferelation der Quantenphysik. Um aber negative Energie in Mengen zu erhalten, wie sie für die Stabilisierung von Wurmlöchern (oder auch von Warpblasen) nötig wäre, müssten wir diese Unschärfe auf die Spitze treiben, und dafür brauchen wir sehr viel positive Energie, und zwar in einer Dichte, wie sie kurz nach dem Urknall herrschte.

Keine gute Voraussetzung für die interstellare Raumfahrt. Aber bei Wurmlöchern geht es ja nun vielleicht auch ohne. Das könnte, wie ein Göttinger Forscher in einer Forschungsarbeit begründet, auch für den aus Star Trek bekannten Warpantrieb gelten. Der Warpantrieb beruht auf den besonderen Eigenschaften der Raumzeit. Sie kann sich (das sehen wir bei der Expansion des Universums) beliebig schnell ausbreiten und bewegen. Wenn es nun gelänge, aus ihr eine Blase zu konstruieren und ein Raumschiff darin einzuschließen, könnte sich die Warpblase mitsamt dem Schiff überlichtschnell durch das All bewegen.

Bisher wurde auch dafür negative Energie gebraucht, und zwar sehr, sehr viel. Der schon erwähnte Göttinger Physiker Erik Lentz untersucht in seiner Arbeit bisher nicht erforschte Konfigurationen der Raum-Zeit-Krümmung, die als sogenannte Solitonen aufgebaut sind. Solitonen sins kompakte Wellen (in diesem Fall der Raumzeit, es gibt sie aber auch in Wasser oder Licht), die ihre Form beibehalten und sich mit konstanter Geschwindigkeit bewegen. Das Besondere an Lentz Entdeckung: Die von ihm als Lösung der Einstein-Gleichungen gefundenen Solitonen lassen sich auf eine Weise bilden, die auch mit konventionellen Energiequellen funktioniert.

Auch hier sprechen wir wieder von sehr, sehr viel Energie. 100 jupitergroße Gasriesen müssten in pure Energie umgewandelt werden, um ein 100 Meter großes Raumschiff in eine solche Warpblase einzuschließen. Also heißt es „Energie sparen“. Lentz gibt sich in dieser Hinsicht optimistisch: „Der nächste Schritt besteht darin, herauszufinden, wie man die astronomische Energiemenge, die benötigt wird, in den Bereich heutiger Technologien bringen kann, wie zum Beispiel ein Kernspaltungskraftwerk. Die Energieeinsparung müsste drastisch sein, im Bereich von etwa 30 Größenordnungen. Glücklicherweise wurden in früheren Forschungen mehrere energiesparende Mechanismen vorgeschlagen, die die benötigte Energie potenziell um fast 60 Größenordnungen senken könnte.“

Heißt das, wir werden bald mit der Enterprise die unbekannten Weiten des Universums erforschen? Ich würde noch nicht darauf wetten. Es gibt eine große Zahl von Lösungen der Allgemeinen Relativitätstheorie, die in der Realität nicht existieren. Wie heißt es so schön: „In der Theorie gibt es keinen Unterschied zwischen Theorie und Praxis; in der Praxis gibt es einen.“

(Bild: Depositphotos.com/innovari)

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

BrandonQMorris
  • BrandonQMorris
  • Brandon Q. Morris, 54, ist Physiker und beschäftigt sich beruflich und privat schon lange mit den spannenden Phänomenen des Alls. So ist er für den redaktionellen Teil eines Weltraum-Magazins verantwortlich und hat mehrere populärwissenschaftliche Bücher über Weltraum-Themen geschrieben. Er wäre gern Astronaut geworden, musste aber aus verschiedenen Gründen auf der Erde bleiben. Ihn fasziniert besonders das „was wäre, wenn“. Sein Ehrgeiz ist es deshalb, spannende Science-Fiction-Geschichten zu erzählen, die genau so passieren könnten – und vielleicht auch irgendwann Realität werden.