In den Randbezirken des Sonnensystems

Gonggong, Quaoar, Orcus, Salacia, Gǃkúnǁ’hòmdímà, Leleākūhonua: Die Namen dieser Welten haben Sie vermutlich noch nicht gehört (vielleicht bis auf Quaoar). Und doch handelt es sich um Himmelskörper, die wahrscheinlich oder sicher die Definition eines Zwergplaneten erfüllen und damit bis zur Aberkennung des Planeten-Status für Pluto genau genommen denselben Anspruch auf die Bezeichnung „Planet“ gehabt hätten. Dass man sie nicht in den Karten des Nachthimmels für Hobbyastronomen findet, liegt daran, dass sie die Sonne ganz weit draußen umkreisen, wo es fast ein Wunder ist, dass man die ab etwa 600 Kilometer durchmessenden Objekte überhaupt gefunden hat.

Aber warum kreisen so viele von ihnen auf Orbits, die so exzentrisch sind und schräg zur Ekliptik stehen, sodass man diesen Himmelskörpern schon die Bezeichnung „Detached Objects“ gegeben hat? Damit befasst sich eine Studie der University of Colorado, die im Astrophysical Journal veröffentlicht wurde. Einige Forscher, darunter „Pluto-Killer“ Mike Brown, glauben, dass ein bisher unbekanntes, großes Objekt dafür verantwortlich ist, der „Planet 9“. Seit Jahren wird denn auch danach gesucht, doch bisher ohne Erfolg.

Die Forscher der University of Colorado kommen zu einem anderen Ergebnis: Die Objekte haben sich durch ihre Gravitation gegenseitig so aus dem Gleichgewicht gebracht, dass sie in die hintersten Winkel des Sonnensystems geschleudert wurden. Die Forscher simulierten dazu das frühe Sonnensystem, in dem die Zwergplaneten noch reguläre Bahnen hatten, und bezogen dabei auch die Kräfte der Gasriesen mit ein. Für eime Weile lief alles rund, doch dann bewegten sich die Zwergplaneten auf so exzentrische Bahnen, wie man es heute beobachtet. Das Faszinierendste daran: Der Einfluss der Gasriesen wurde gar nicht benötigt. Der Prozess lief auch dann ab, wenn die Forscher Jupiter & Co. einfach wegließen.

Heißt das, es gibt auf keinen Fall einen neunten Planeten da draußen? Nein, denn die Simulation hat einen Haken: Damit alles so funktioniert, müssen in den Außenbezirken jede Menge von Zwergplaneten existiert haben und immer noch existieren. Etwa die 20-fache Masse der Erde sollte sich insgesamt dort draußen finden lassen. Eine Menge Gestein und Eis also – für einen zweiten Mars oder einen zweiten Merkur wäre da schon noch Platz. Oder für Amphitrite, wie ich es in meinem neuen Buch annehme.

Bahnen der „Detached Objects“ um die Sonne (Objekte nicht maßstabgerecht, Grafik: Steven Burrows/JILA)

2 Responses to “ In den Randbezirken des Sonnensystems ”

  1. Werner Schmidt

    Amphitrite gibt es also doch! Muss nur noch bestätigt werden.

  2. Geile Gegend dort draußen. Und bestens geeignet, sich zu verstecken!! Bin gespannt.

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