Mysteriöses Signal von Proxima Centauri

„Gegen Ende des 21. Jahrhunderts erreicht die Erde ein Hilferuf vom sonnennächsten Stern Proxima Centauri“, beginnt der Klappentext von „Proxima Rising“. Das Ende des Jahrhunderts ist noch fern, aber ein anscheinend nicht natürliches Radiosignal von dem Roten Zwerg hat uns bereits erreicht. Der Guardian hat als erster darüber berichtet, nun geht die Geschichte um die Welt. Die Daten, um die es geht, hat das Parkes-Observatorium in Australien bereits am 29. April 2019 gesammelt.

„Das ist das aufregendste Signal, das wir im Projekt Breakthrough Listen entdeckt haben“, sagt Sofia Sheikh von der Penn State University dazu, die die Analyse leitet. Bisher ist in dem Prozess, bei dem Schritt für Schritt alle irdischen Quellen ausgeschlossen werden müssen, kein einziges Signal so weit gekommen. Intern nennen es die Forscher denn auch schon BLC1 (für „Breakthrough Listen Candidate 1“). Es scheint direkt aus der Richtung von Proxima Centauri zu kommen, was einen Satelliten als Quelle unwahrscheinlich macht.

Aber trotzdem haben wir damit die Außerirdischen vermutlich noch nicht in der Leitung. Bei der Breakthrough-Listen-Initiative sieht man die Wahrscheinlichkeit für eine vom Menschen verursachte Emission bei 99,9 Prozent. Zudem scheint das Signal keinerlei Modulation aufzuweisen. Es enthält also keine Informationen.

Allerdings beschränkt es sich auf eine bestimmte Frequenz, 982 MHz, was in der Natur ungewöhnlich ist und wo auch nur wenige Satelliten senden. „Wir kennen keinen natürlichen Weg, um elektromagnetische Energie in einem einzigen Frequenzbereich zu komprimieren“, sagt Andrew Siemion von der University of California, Berkeley, dem Scientific American. Vielleicht könne eine noch unbekannte exotische Eigenart der Plasmaphysik eine natürliche Erklärung für die stark konzentrierten Radiowellen sein. Aber „im Moment ist die einzige Quelle, von der wir wissen, technologisch.“

Um Proxima Centauri kreisen unseres Wissens zwei Exoplaneten. Der erste, nach seiner Entdeckung im Jahr 2016 Proxima b genannt, ist etwa 1,2 Mal so groß wie die Erde und befindet sich in einer 11-tägigen Umlaufbahn sowie in der habitablen Zone des Sterns. Der zweite, der etwa sieben Erdmassen große Proxima c, wurde 2019 in einer 5,2-jährigen Umlaufbahn entdeckt, die ihn zu weit von seinem Mutterstern wegführt, um biologisches Leben zu ermöglichen.

BrandonQMorris
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  • Brandon Q. Morris, 54, ist Physiker und beschäftigt sich beruflich und privat schon lange mit den spannenden Phänomenen des Alls. So ist er für den redaktionellen Teil eines Weltraum-Magazins verantwortlich und hat mehrere populärwissenschaftliche Bücher über Weltraum-Themen geschrieben. Er wäre gern Astronaut geworden, musste aber aus verschiedenen Gründen auf der Erde bleiben. Ihn fasziniert besonders das „was wäre, wenn“. Sein Ehrgeiz ist es deshalb, spannende Science-Fiction-Geschichten zu erzählen, die genau so passieren könnten – und vielleicht auch irgendwann Realität werden.