Warum der Sand auf dem Saturnmond Titan geladen sein könnte

Titan ist der Himmelskörper im Sonnensystem, der der Erde am ähnlichsten ist – und doch ist dort alles ganz anders. Die Ähnlichkeit beziehen sich auf Tatsachen wie das Vorhandensein einer Atmosphäre, von Wetter, Meeren, Seen und Flüssen, von Sand und Dünen, wahrscheinlich auch von Vulkanen. Doch all dies beruht nicht auf flüssigem Wasser und festen Silikaten („Gestein“), sondern auf flüssigem Methan und Wasser-Eis, das bei minus 180 Grad Celsius die Festigkeit von Erdgestein besitzt.

Sogar der Sand in den Wüsten des Titan besteht aus Eis mit Beimengungen organischer Stoffe, und dementsprechend auch die Dünen in den Wüstengegenden wie Belet oder Fensai, die bis zu 200 Meter hoch werden können. Ihre Entstehung ist noch mit einigen Mysterien verbunden, so z.B. weht der Windrichtung meist in die „falsche“ Richtung. Aber vielleicht haben wir ja bloß zu erdzentriert nachgedacht. Das meinen jedenfalls Forscher in einem Beitrag in Nature Geoscience.

Die Wissenschaftler haben mit Experimenten im Labor untersucht, welche Rolle der triboelektrische Effekt spielen könnte, die Reibungselektrizität. Auf der Erde können Sandkörner in Stürmen auf diese Weise geladen werden. Normalerweise hat das aber keine echten Konsequenzen, weil die Anziehungskaft der Erde viel stärker und der Sand bei uns schwerer ist. Doch Sand aus Wassereis, wie er auf Titan vorliegt, ist leichter, und gleichzeitig beträgt die Gravitation auf der Oberfläche nur ein Siebtel der Erdgravitation. Die Versuche der Forscher zeigen, dass es dadurch viel wahrscheinlicher wird, dass die Sandkörner unter dem Einfluss der Reibungselektrizität zusammenklumpen. Und wer auf Titan in der Wüste spazieren geht, wird sich vielleicht vor statischer Elektrizität besonders schützen müssen.

Titan- und Erd-Dünen (rechts) im Vergleich (Bild: NASA / JPL)

 

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