Der letzte seiner Art?

Sternströme bestehen aus Gruppen von Sternen, die sich gemeinsam auf einer Bahn bewegen. Meist handelt es sich um Überbleibsel kleiner Galaxien, die von einer größeren aufgenommen wurden, oder um ehemalige Sternhaufen. Beim vor vier Jahren entdeckten Phoenixstrom ist letzteres der Fall. Er war, wie Forscher jetzt in einem Artikel in Nature zeigen, einst ein Kugelsternhaufen, und zwar ein ganz besonderer.

Kugelsternhaufen sind an sich schon ganz spezielle Objekte. Stellen Sie sich den Nachhimmel voller gleißend heller Sterne vor, die alle noch deutlich heller leuchten als die hellsten Planeten des Sonnensystems. Der mittlere Abstand zwischen zwei Sternen eines Kugelsternhaufens liegt bei nur 0,1 Lichtjahren, während der nächste Stern von der Sonne 4,5 Lichtjahre entfernt ist. Pro Kubikparsec rechnet man mit 1000 bis 10.000 Sternen (in Sonnennähe liegt die Dichte bei 0,14 Sternen pro Kubikparsec).

All diese Sterne sind gravitativ aneinander gebunden und beinflussen sich gegenseitig. Das erschwert die stabile Existenz von Planetensystemen, macht sie aber nicht unmöglich. Im Fall des Phoenixstroms, der vor langer Zeit mal der Phoenix-Kugelsternhaufen war, interessierte die Forscher aber eine andere Eigenschaft: Die Sterne, aus denen er besteht, enthalten überraschend wenig schwere Elemente – weniger, als man bisher zur Bildung eines Kugelsternhaufens für notwendig angenommen hatte.

Das stellt die Astronomen nun vor ein Problem, denn bis Phoenix vor 2 Milliarden Jahre von der Milchstraße zu einem Sternstrom auseinandergezerrt wurde, handelte es sich nun einmal um einen Sternhaufen. Aber um einen, den es nicht geben dürfte. Oder der zu noch früheren Zeiten entstand als alle anderen bekannten Kugelsternhaufen (die selbst schon oft kaum jünger als das Universum sind). Dann wäre er vielleicht einer der letzten seiner Art.

Künstlerische Darstellung des Phoenix-Stroms, der vor 2 Milliarden Jahren von der Milchstraße zerrissen wurde (Bild: Geraint F. Lewis and the S5 collaboration)
Künstlerische Darstellung des Phoenix-Stroms und der Roten Riesen, mit denen er analysiert wurde (Bild: James Josephides, Swinburne Astronomy)

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BrandonQMorris
  • BrandonQMorris
  • Brandon Q. Morris, 54, ist Physiker und beschäftigt sich beruflich und privat schon lange mit den spannenden Phänomenen des Alls. So ist er für den redaktionellen Teil eines Weltraum-Magazins verantwortlich und hat mehrere populärwissenschaftliche Bücher über Weltraum-Themen geschrieben. Er wäre gern Astronaut geworden, musste aber aus verschiedenen Gründen auf der Erde bleiben. Ihn fasziniert besonders das „was wäre, wenn“. Sein Ehrgeiz ist es deshalb, spannende Science-Fiction-Geschichten zu erzählen, die genau so passieren könnten – und vielleicht auch irgendwann Realität werden.