Wenn auf dem Mars der Himmel grün erglüht

Wenn auf dem Roten Planeten die Sonne untergegangen ist und die Temperaturen unter -62 Grad Celsius sinken, fängt ein Teil der Atmosphäre an zu leuchten. Es beginnt in etwa 70 Kilometern Höhe kurz nach Sonnenuntergang. Die so hell wie die Polarlichter der Erde leuchtenden, bis zu 1000 Kilometer großen Flecken ziehen dann mit etwa 300 Kilometern pro Stunde über den Nachthimmel. Künftige Astronauten werden sie allerdings leider nicht bewundern können – denn das Schauspiel erfolgt leider nur im Bereich des für uns unsichtbaren ultravioletten Lichts.

Den grünen Farbton auf den Fotos des Effekts, die zuerst die ESA-Sonde Mars Express anfertigte, haben die Forscher für eine Falschfarben-Darstellung der Intensität des UV-Lichts gewählt. Ganz neu ist, dass dank Aufnahmen der Maven-Sonde der NASA nun mehr über den Ablauf und die Quelle des Leuchtens bekannt ist.

Den Forschern des Maven-Teams fiel nämlich auf, dass die Mars-Atmosphäre genau dreimal pro Nacht derart pulsiert, und zwar nur im Frühling und im Herbst. Zudem fanden sie unerwartete Wellen und Spiralen über dem Pol, an dem gerade Winter herrscht, wo das UV-Licht zudem am hellsten ist.

Daraus leiteten die Forscher die Entstehung der Lichter ab: Tagsüber trennt das UV-Licht der Sonne Kohlendioxid- und Stickstoff-Moleküle in ihre Atome auf. Nachts, wenn die Sonne nicht mehr scheint, rekombinieren N und O wieder zu NO, wobei UV-Licht abgegeben wird. Das Licht ist dort am hellsten, wo vertikale Winde das Gas direkt nach unten transportieren, in dichtere Schichten also, sodass sich die Reaktionsrate erhöht.

Die Intensität des ultravioletten Lichts in einer Falschfarbendarstellung (weiß ist am hellsten) (Bild: NASA/MAVEN/Goddard Space Flight Center/CU/LASP)
Wie das ultraviolette Glühen entsteht (Bild: NASA/MAVEN/Goddard Space Flight Center/CU/LASP)

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BrandonQMorris
  • BrandonQMorris
  • Brandon Q. Morris, 54, ist Physiker und beschäftigt sich beruflich und privat schon lange mit den spannenden Phänomenen des Alls. So ist er für den redaktionellen Teil eines Weltraum-Magazins verantwortlich und hat mehrere populärwissenschaftliche Bücher über Weltraum-Themen geschrieben. Er wäre gern Astronaut geworden, musste aber aus verschiedenen Gründen auf der Erde bleiben. Ihn fasziniert besonders das „was wäre, wenn“. Sein Ehrgeiz ist es deshalb, spannende Science-Fiction-Geschichten zu erzählen, die genau so passieren könnten – und vielleicht auch irgendwann Realität werden.