Planeten mit Eierschale

Sie öffnen die Schleusentür. Ihr erster Schritt auf die Oberfläche eines neuen Planeten! Es ist heiß, doch Ihr Raumanzug schützt Sie. Eine dünne Wolkenschicht verbirgt die Sonne. Aber etwas stimmt nicht. Sie klettern die Leiter nach unten. Was ist es? Sie drehen sich um Ihre Achse. Wohin Sie auch sehen, der Horizont ist überall gleich weit entfernt. Dieser Planet besitzt keinerlei Erhebungen. Es ist, als stünden Sie auf der Außenseite einer Eierschale.

Solche Planeten gibt es wahrscheinlich wirklich. “Eierschalen-Planeten” sind, das zeigt eine aktuelle Studie, unter bestimmten Umständen in einem Sonnensystem zu erwarten. Und da unser Universum so groß ist, existieren diese Umstände mit ziemlicher Sicherheit irgendwo da draußen. Vielleicht gibt es sie sogar unter den über 4000 bereits entdeckten Exoplaneten.

Planeten haben bestimmte Eigenschaften, wie ihre Größe, ihre Innentemperatur und die Materialien, aus denen sie bestehen. Andere Eigenschaften hängen eher von der Umgebung des Planeten ab, etwa wie weit er von der Sonne entfernt ist.  “Wir wissen aus veröffentlichten Arbeiten, dass es Exoplaneten gibt, auf denen die Bedingungen extremer sind als in unserem Sonnensystem. Sie sind vielleicht näher an ihrem Stern, oder sie sind viel größer oder haben heißere Oberflächen als die Planeten, die wir in unserem eigenen System sehen”, so der Planetologe Paul Byrne von der Washington University in St. Louis. Er und seine Mitarbeiter wollten herausfinden, welche planetarischen und stellaren Parameter die wichtigste Rolle bei der Bestimmung der Dicke der äußeren spröden Schicht eines Planeten spielen, der so genannten Lithosphäre.

Diese Dicke ist mitentscheidend dafür, ob ein Planet beispielsweise eine hohe Topografie wie Berge tragen kann oder das richtige Gleichgewicht zwischen Steifigkeit und Flexibilität aufweist, damit sich ein Teil der Oberfläche unter einen anderen absenken oder subduzieren kann – das Kennzeichen der Plattentektonik. Dieser Prozess hilft der Erde, ihre Temperatur über geologische Zeiträume hinweg zu regulieren, und ist der Grund dafür, dass die Plattentektonik als wichtiger Bestandteil der Bewohnbarkeit eines Planeten gilt. Ein Eierschalen-Planet wird deshalb eher nicht bewohnbar sein. Hätten Sie das vorher gewusst, hätten Sie Ihre lange Reise zu diesem Planeten vielleicht gar nicht angetreten.

Künstlerische Darstellung eines Eierschalen-Planeten (Bild: NASA)

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BrandonQMorris
  • BrandonQMorris
  • Brandon Q. Morris, 54, ist Physiker und beschäftigt sich beruflich und privat schon lange mit den spannenden Phänomenen des Alls. So ist er für den redaktionellen Teil eines Weltraum-Magazins verantwortlich und hat mehrere populärwissenschaftliche Bücher über Weltraum-Themen geschrieben. Er wäre gern Astronaut geworden, musste aber aus verschiedenen Gründen auf der Erde bleiben. Ihn fasziniert besonders das „was wäre, wenn“. Sein Ehrgeiz ist es deshalb, spannende Science-Fiction-Geschichten zu erzählen, die genau so passieren könnten – und vielleicht auch irgendwann Realität werden.