Quasar funkt aus der Frühzeit des Universums

In den 1950er-Jahren stießen Astronomen auf Radioquellen, denen sich im Bereich des sichtbaren Lichts punktförmige, also sternartige Objekte zuordnen ließen. Bis dahin hatte man vor allem ganze Galaxien als Radioquellen ausgemacht. Die Funde nannte man „quasi-stellare Objekte“, kurz Quasar. Später erkannten die Forscher allerdings, dass Quasare doch in Galaxien eingebettet sind und in Wirklichkeit deren aktive, in vielen Wellenlängenbereichen strahlende Kerne ausmachen. Dass man sie nur als Punktquellen gesehen hatte, lag einfach daran, dass sie sehr, sehr weit entfernt sind.

Tatsächlich handelt es sich um die am weitesten entfernten Objekte des Universums, die wir beobachten können. Das liegt nicht daran, dass es in dieser Entfernung nichts anderes gäbe. Aber nur Quasare sind eben hell genug, um sie auch noch aus diesem Abstand wahrnehmen zu können. Ihr Licht braucht bis zu uns um die 13 Milliarden Jahre. Da der Urknall erst 13,8 Milliarden Jahre her ist, sind Quasare, so, wie wir sie sehen, zugleich sehr junge Objekte.

Anders als die Astronomen in den 1950er-Jahren annahmen, strahlen nicht alle Quasare auf Radiofrequenzen besonders laut. Deshalb freuen sich die Forscher umso mehr, mit P172+18 nun ein Objekt gefunden zu haben, der besonders „radiolaut“ ist (ihre Entdeckung wurde im The Astrophysical Journal veröffentlicht). Der neu entdeckte Quasar ist so weit entfernt, dass wir ihn so sehen, wie er war, als das Universum gerade einmal etwa 780 Millionen Jahre alt war. Obwohl schon weiter entfernte Quasare entdeckt wurden, ist dies das erste Mal, dass Astronomen die verräterischen Signaturen von Radiojets in einem Quasar so früh in der Geschichte des Universums identifizieren konnten. Nur etwa 10 % der Quasare, die von den Astronomen als „radiolaut“ klassifiziert werden, haben Jets, die bei Radiofrequenzen hell leuchten.

P172+18 wird von einem schwarzen Loch angetrieben, das etwa 300 Millionen Mal schwerer als unsere Sonne ist und Gas in atemberaubender Geschwindigkeit vertilgt. „Das schwarze Loch nimmt sehr schnell Materie auf und wächst in seiner Masse mit einer der höchsten jemals beobachteten Raten“, erklärt die Astronomin Chiara Mazzucchelli, Fellow bei der ESO in Chile, die P172+18 zusammen mit Eduardo Bañados vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Deutschland studierte.

Die Astronomen vermuten, dass es einen Zusammenhang zwischen dem schnellen Wachstum supermassereicher schwarzer Löcher und den starken Radiojets gibt, die in Quasaren wie P172+18 entdeckt wurden. Man nimmt an, dass die Jets in der Lage sind, das Gas um das schwarze Loch herum zu stören und so die Geschwindigkeit zu erhöhen, mit der das Gas hineinfällt. Daher kann die Untersuchung radiolauter Quasare wichtige Erkenntnisse darüber liefern, wie schwarze Löcher im frühen Universum nach dem Urknall so schnell zu ihren supermassereichen Dimensionen heranwuchsen.

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BrandonQMorris
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  • Brandon Q. Morris, 54, ist Physiker und beschäftigt sich beruflich und privat schon lange mit den spannenden Phänomenen des Alls. So ist er für den redaktionellen Teil eines Weltraum-Magazins verantwortlich und hat mehrere populärwissenschaftliche Bücher über Weltraum-Themen geschrieben. Er wäre gern Astronaut geworden, musste aber aus verschiedenen Gründen auf der Erde bleiben. Ihn fasziniert besonders das „was wäre, wenn“. Sein Ehrgeiz ist es deshalb, spannende Science-Fiction-Geschichten zu erzählen, die genau so passieren könnten – und vielleicht auch irgendwann Realität werden.