Super-Venus in kosmischer Nachbarschaft

Wolf 437, auch Gliese 486 genannt, ist ein Roter Zwerg in ziemlicher Nähe der Sonne – nur 26 Lichtjahre entfernt. Was ihn interessant macht, ist ein Planet, den Astronomen jetzt in Science vorstellen. Gliese 486 b bewegt sich um seinen Mutterstern auf einer Kreisbahn innerhalb von 1,5 Tagen und in einem Abstand von nur 2,5 Millionen Kilometern (Erde: 150 Millionen Kilometer). Da seine Rotation um die eigene Achse immer die gleiche Zeit in Anspruch nimmt, wendet der Planet seiner Sonne immer dieselbe Seite zu – ähnlich wie der Mond der Erde.

Obwohl der Stern Gliese 486 viel schwächer und kühler als die Sonne ist, heizt seine Nähe zum Planeten dessen Oberfläche auf mindestens 430 Grad Celsius auf. Daher ähnelt die Oberfläche von Gliese 486 b wahrscheinlich der der Venus, mit einer heißen und trockenen Landschaft, die mit glühenden Lavaströmen überzogen ist. Berechnungen zeigen auch, dass der Exoplanet eine ähnliche Zusammensetzung wie die Venus und die Erde hat, einschließlich eines metallischen Kerns. Wer sich auf Gliese 486 b aufhält, spürt zudem eine Anziehungskraft, die etwa 70 Prozent stärker ist als die auf unserem Heimatplaneten.

Im Gegensatz zur Venus hat Gliese 486 b aber möglicherweise nur eine dünne Atmosphäre – oder gar keine. Modellrechnungen liefern beide Szenarien, da planetare Gashüllen unter stellarer Einstrahlung mit der Zeit verdampfen können. Andererseits hilft die Schwerkraft des Planeten, sie zu erhalten. Es ist schwierig, das Gleichgewicht zwischen diesen beiden genannten Faktoren zu bestimmen.

„Die Entdeckung von Gliese 486 b war ein Glücksfall. Noch 100 Grad heißer, und die gesamte Oberfläche des Planeten wäre Lava. Seine Atmosphäre wäre verdampftes Gestein“, sagt José A. Caballero vom Centro de Astrobiología (CSIC-INTA, Spanien) und Mitautor der Studie. „Wäre Gliese 486 b hingegen hundert Grad kälter, wäre er für weitere Beobachtungen ungeeignet.“

Durch seine große Nähe hoffen die Astronomen nun darauf, ihn mit künftigen Teleskopen genauer betrachten zu können.

Künstlerische Darstellung der Oberfläche des neu entdeckten Gliese 486 b. Mit einer Temperatur von etwa 430 °C erwarten die Astronomen eine Venus-ähnliche heiße und trockene Landschaft, die von glühenden Lavaströmen durchzogen ist. Gliese 486 b hat möglicherweise eine dünne Atmosphäre. (Bild: RenderArea)

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

BrandonQMorris
  • BrandonQMorris
  • Brandon Q. Morris, 54, ist Physiker und beschäftigt sich beruflich und privat schon lange mit den spannenden Phänomenen des Alls. So ist er für den redaktionellen Teil eines Weltraum-Magazins verantwortlich und hat mehrere populärwissenschaftliche Bücher über Weltraum-Themen geschrieben. Er wäre gern Astronaut geworden, musste aber aus verschiedenen Gründen auf der Erde bleiben. Ihn fasziniert besonders das „was wäre, wenn“. Sein Ehrgeiz ist es deshalb, spannende Science-Fiction-Geschichten zu erzählen, die genau so passieren könnten – und vielleicht auch irgendwann Realität werden.