Treffen sich zwei Weiße Zwerge…

Astronomen der University of Oklahoma haben zwei Paare aus Weißen Zwergen entdeckt, die sich in nur 40 bzw. 46 Minuten einmal um das gemeinsame Schwerezentrum drehen. Weiße Zwerge sind Sterne am Ende ihres Lebenszyklus. Die „Alten“ werden aber für die Forschung deshalb aber nicht weniger interessant, denn es folgt noch ein spannender Moment: irgendwann werden die beiden Sterne miteinander verschmelzen, und dabei kann es zu mehreren Prozessen kommen.

Verlassen kann man sich dabei auf eines: in ihren letzten Jahren (bei den neu entdeckten Paaren sprechen wir hier von gut 20 Millionen und mehr) führt der schnelle Tanz in enger Umarmung dazu, dass sich Gravitationswellen im ganzen Kosmos ausbreiten. Diese werden sich dann auch auf der Erde etwa mit dem LISA-Experiment nachweisen lassen. Insofern ist es gut zu wissen, welche Sternenpaare demnächst in welchem Umfang Gravitationswellen produzieren werden.

Was am Ende aus den Weißen Zwergen selbst wird, richtet sich vor allem nach ihrer Masse. Wenn der eine deutlich schwerer als sein Begleiter ist (Massen-Verhältnis ab 1:5), dann wird das schwerere Exemplar mit der Zeit die komplette Materie des leichteren übernehmen. Bis dieser stabile Prozess abgeschlossen ist, spricht man von einem AM-Canum-Venaticorum-Stern (AM-CVn).

Liegt das Massenverhältnis unterhalb von 1:2, wird das Ergebnis wahrscheinlich ein variabler Stern vom Typ R Coronae Borealis (RCB). Dabei handelt es sich um besonders seltene und zugleich faszierende Exemplare. Denn in regelmäßigem Zeitabstand verwandeln sie den in sich gespeicherten Kohlenstoff in Ruß, durch den sich die Helligkeit des Sterns im sichtbaren Bereich verringert. Die Astronomen haben lange versucht, hinter diesen Grund des Abdimmens eines Sterns zu kommen – dass etwas verrußt, kennt man sonst nur von alten Lampen. Im Infrarot-Bereich strahlen die RCB-Sterne auch kaum weniger hell.

Wenn zwei Weiße Zwerge sich zu nahe kommen, beginnen sie mit dem Materialaustausch (Bild: University of Oklahoma)

2 Comments

  • Leider fehlen im Artikel über die sich umkreisenden Weißen Zwerge deren Kennungen (Bezeichnungen). Bitte um Zusendung. Mit freundlichen Grüßen

    • Das Paper ist gleich im ersten Satz verlinkt; die beiden Paare sind SDSS J082239.546+304857.19 und SDSS J104336.275+055149.90. Mit freundlichen Grüßen

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BrandonQMorris
  • BrandonQMorris
  • Brandon Q. Morris, 54, ist Physiker und beschäftigt sich beruflich und privat schon lange mit den spannenden Phänomenen des Alls. So ist er für den redaktionellen Teil eines Weltraum-Magazins verantwortlich und hat mehrere populärwissenschaftliche Bücher über Weltraum-Themen geschrieben. Er wäre gern Astronaut geworden, musste aber aus verschiedenen Gründen auf der Erde bleiben. Ihn fasziniert besonders das „was wäre, wenn“. Sein Ehrgeiz ist es deshalb, spannende Science-Fiction-Geschichten zu erzählen, die genau so passieren könnten – und vielleicht auch irgendwann Realität werden.

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