Warum Venus den Hitzetod gestorben ist – und die Erde nicht

Venus, die kleine, heiße Schwester der Erde, war vor langer Zeit wahrscheinlich auch einmal bewohnbar. Sie orbitiert grundsätzlich in der habitablen Zone. Oberflächentemperaturen von 450 Grad wären dort eigentlich nicht zu erwarten, gäbe es nicht die dichte CO2-Atmosphäre, die den Planeten mit ihrem Treibhauseffekt aufheizt. Aber warum kam es auf der Venus dazu – und auf der Erde bisher nicht? Der Vulkanismus ist wohl schuld, wie Forscher in einem neuen Paper zeigen. Demnach könnten vulkanische Aktivitäten, die Hunderte bis Tausende von Jahrhunderten andauerten und gewaltige Mengen an Material ausbrachten, dazu beigetragen haben, die Venus von einer gemäßigten und feuchten Welt in das saure Treibhaus zu verwandeln, das sie heute ist.

Das Paper geht auch auf ähnliche Vorgänge auf der Erde ein, die vor Millionen von Jahren mehrere Massenaussterben auf unserem Planeten verursachten. “Indem wir die Aufzeichnungen auf der Erde und der Venus verstehen, können wir feststellen, ob diese Ereignisse den heutigen Zustand der Venus verursacht haben könnten”, sagt Dr. Michael J. Way vom Goddard Institute for Space Studies der NASA in New York, der Hauptautor der Studie. Diese Eruptionsergeignisse sind gigantisch. Sie dauern zehntausende oder sogar hunderttausende von Jahren an und können dabei mehr als 100.000 Kubikkilometer Vulkangestein an der Oberfläche ablagern, genug, um den gesamten Bundesstaat Texas eine halbe Meile tief zu begraben.

Auf der Venus herrschen heute Oberflächentemperaturen von durchschnittlich 450 Grad Celsius und eine Atmosphäre, die 90 Mal so dicht ist wie die der Erde. Der Studie zufolge könnten diese massiven vulkanischen Ausbrüche irgendwann in der Frühgeschichte der Venus diese Bedingungen ausgelöst haben. Insbesondere das Auftreten mehrerer solcher Eruptionen in einer kurzen geologischen Zeitspanne (innerhalb einer Million Jahre) könnte zu einem unkontrollierten Treibhauseffekt geführt haben, der den Übergang des Planeten von feucht und gemäßigt zu heiß und trocken einleitete. Große Felder aus erstarrtem Vulkangestein bedecken heute insgesamt 80 Prozent der Venusoberfläche, so Way.

Auch das Leben auf der Erde hat seit der Entstehung des vielzelligen Lebens vor etwa 540 Millionen Jahren mindestens fünf große Massenaussterbeereignisse erlebt, von denen jedes mehr als die Hälfte des tierischen Lebens auf dem gesamten Planeten auslöschte. Dieser und anderen Studien zufolge wurden die meisten dieser Aussterbeereignisse durch vulkanische Aktivität verursacht oder verschlimmert. Im Fall der Erde reichten die klimatischen Störungen dieser Ereignisse zum Glück nicht aus, um einen unkontrollierbaren Treibhauseffekt wie auf der Venus auszulösen, und zwar aus Gründen, die Way und andere Wissenschaftler noch zu ergründen versuchen.

Maat Mons ist in dieser computergenerierten, dreidimensionalen Perspektive der Venusoberfläche zu sehen. Lavaströme erstrecken sich über Hunderte von Kilometern über die im Vordergrund gezeigten zerklüfteten Ebenen bis zum Fuß des Maat Mons. Die vertikale Skala in dieser Perspektive ist 10-fach überhöht. (Bild: NASA/JPL)

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BrandonQMorris
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  • Brandon Q. Morris, 54, ist Physiker und beschäftigt sich beruflich und privat schon lange mit den spannenden Phänomenen des Alls. So ist er für den redaktionellen Teil eines Weltraum-Magazins verantwortlich und hat mehrere populärwissenschaftliche Bücher über Weltraum-Themen geschrieben. Er wäre gern Astronaut geworden, musste aber aus verschiedenen Gründen auf der Erde bleiben. Ihn fasziniert besonders das „was wäre, wenn“. Sein Ehrgeiz ist es deshalb, spannende Science-Fiction-Geschichten zu erzählen, die genau so passieren könnten – und vielleicht auch irgendwann Realität werden.