Auch der Kern der Milchstraße gebiert Sterne

Seit Star Trek V wissen wir, dass der Kern der Milchstraße ein ganz besonderer Bereich ist. Eine galaktische Barriere gibt es dort zwar nicht, aber ein gigantisches Schwarzes Loch (Sagittarius A*) mit den von ihm produzierten Feldern sowie eine Menge Sterne auf engem Raum. Bei mittleren Abständen von unter einem Lichtjahr muss der Nachthimmel eines Planeten dort ganz besonders hell sein.

Neue Sterne enstehen bekanntlich aus Zusammenballungen von Gas- und Staubwolken. Der Prozess wird gestört, wenn Magnetfelder hindurchwabern oder vorbeiziehende Sterne die Wolke mit ihrer Anziehungskraft deformieren. Im Kern der Milchstraße dürften deshalb eigentlich kaum noch neue Sterne geboren werden.

Aber das scheint ein Irrtum zu sein. Astronomen fanden jetzt mit dem Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) eine Reihe von „Sterneneiern“ (den Staubwolken) mit „Baby-Sternen“ (Protosternen) rund um das Zentrum der Milchstraße. Anscheinend ist die Sternentstehung doch widerstandsfähiger, als Forscher bisher dachten.

Um das Geheimnis der unterdrückten Sternentstehung zu ergründen, beobachtete ein Team unter der Leitung von Xing Lu, Astronom am National Astronomical Observatory of Japan, mit ALMA Regionen in der Nähe des Galaktischen Zentrums, die zwar reichlich Gas, aber keine bekannte Sternentstehung enthalten. Überraschenderweise entdeckte das Team mehr als 800 dichte Kerne aus Gas und Staub.

„Diese Entdeckung wirft die Frage auf, ob es sich tatsächlich um ’stellare Eier‘ handelt oder nicht“, erklärt Lu. Um diese Frage zu beantworten, nutzte das Team erneut ALMA, um nach energiereichen Gasströmen zu suchen, die auf die Entstehung von Sternen in stellaren Eiern hinweisen. Dank der hohen Empfindlichkeit und der hohen räumlichen Auflösung von ALMA entdeckten sie 43 kleine und schwache Ausströmungen in den Wolken. Lu kommentiert: „Unsere Beobachtungen beweisen, dass selbst in den stark gestörten Gebieten um das galaktische Zentrum noch Baby-Sterne entstehen.“ Das Forscherteam analysiert nun die höher aufgelösten Beobachtungsdaten von ALMA, um die Prozesse besser zu verstehen, die die Gasausströmungen und die Sternentstehung in der Nähe des galaktischen Zentrums antreiben.

Gas, das sich auf uns zubewegt, ist blau dargestellt und Gas, das sich von uns wegbewegt, rot. (Bild: ALMA (ESO / NAOJ / NRAO), Lu et al.)

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BrandonQMorris
  • BrandonQMorris
  • Brandon Q. Morris, 54, ist Physiker und beschäftigt sich beruflich und privat schon lange mit den spannenden Phänomenen des Alls. So ist er für den redaktionellen Teil eines Weltraum-Magazins verantwortlich und hat mehrere populärwissenschaftliche Bücher über Weltraum-Themen geschrieben. Er wäre gern Astronaut geworden, musste aber aus verschiedenen Gründen auf der Erde bleiben. Ihn fasziniert besonders das „was wäre, wenn“. Sein Ehrgeiz ist es deshalb, spannende Science-Fiction-Geschichten zu erzählen, die genau so passieren könnten – und vielleicht auch irgendwann Realität werden.