Mehr Einzelplaneten als Sterne in der Milchstraße?

Wenn Sterne geboren werden, geht es in ihrer Umgebung nicht eben zimperlich zu. Planeten wandern durch das junge System, das sein Gleichgewicht noch nicht gefunden hat. Wenn sie Pech haben, werden sie von größeren geschluckt – oder auch ganz aus dem System geworfen. Dann werden sie zu einsamen Wanderern, die das Universum als eiskalte Klumpen durchqueren, die nur sehr schwer zu entdecken sind.

Wie groß der Anteil solcher Einzelplaneten (englisch „Rogue Planets“) ist, weiß niemand. Denn kein normales Teleskop kann ihre überaus geringe Abstrahlung entdecken. Und durch Transits, wie bei normalen Exoplaneten, lässt sich ihre Existenz auch nicht herleiten, denn es gibt ja keinen Stern, den sie orbitieren.

Hier soll das neue Nancy Grace Roman Space Telescope der NASA helfen, das zunächst unter dem Namen WFIRST (Wide Field Infrared Survey Telescope) entwickelt und inzwischen nach der „Mutter von Hubble“ benannt wurde, der amerikanischen Astronomin Nancy Roman Grace (1925-2018). Das Roman oder RST genannte Teleskop erforscht das Weltall von einem Platz am Lagrange-Punkt L2 aus im Infrarotbereich. Mit seinem 2,4-Meter-Spiegel soll es ein 100fach größeres Blickfeld als Hubble besitzen.

Wie wichtig es für die Suche nach Rogue Planets ist, beschreibt eine aktuelle Studie im Astronomical Journal. Darin zeigen die Verfasser, dass das RST Einzelplaneten bis hinunter zur Größe des Mars erkennen können wird. Womöglich wird sich dabei weiter der Eindruck verdichten, dass unser Sonnensystem eher ungewöhnlich ist. Tatsächlich könnte es in der Milchstraße mehr Einzelplaneten als Sterne geben. Ob das der Fall ist, wird das RST ab 2025 herausfinden.

Das Roman-Weltraumteleskop soll 2025 starten (Bild: NASA’s Goddard Space Flight Center)

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BrandonQMorris
  • BrandonQMorris
  • Brandon Q. Morris, 54, ist Physiker und beschäftigt sich beruflich und privat schon lange mit den spannenden Phänomenen des Alls. So ist er für den redaktionellen Teil eines Weltraum-Magazins verantwortlich und hat mehrere populärwissenschaftliche Bücher über Weltraum-Themen geschrieben. Er wäre gern Astronaut geworden, musste aber aus verschiedenen Gründen auf der Erde bleiben. Ihn fasziniert besonders das „was wäre, wenn“. Sein Ehrgeiz ist es deshalb, spannende Science-Fiction-Geschichten zu erzählen, die genau so passieren könnten – und vielleicht auch irgendwann Realität werden.