Wie häufig ist Leben im Weltall?

Die Frage ist derzeit im Grunde nicht zu beantworten. Die bekannte Drake-Gleichung gaukelt zwar eine gewisse Genauigkeit vor, krankt aber daran, dass man über jeden ihrer sieben Faktoren trefflich streiten kann. Wir haben eben im Moment nur ein Beispiel für intelligentes Leben, und von uns auf das gesamte Universum zu schließen, wäre zwar irgendwie menschlich, ist aber wissenschaftlich problematisch.

Aber es gibt eine Alternative. Wir können fragen, mit welcher Wahrscheinlichkeit auf der Erde Leben entstehen würde, würden wir die Uhr immer wieder zurückdrehen und neu anfangen. Die Bedingungen auf der Erde kennen wir ziemlich gut, und die Astronomen sind sich auch recht sicher, dass irgendwo da draußen Planeten kreisen, die der Erde so stark ähneln, dass für sie ähmliche Wahrscheinlichkeiten gelten.

Im wesentlichen unterscheiden die Forscher dabei vier Szenarien:

  • Leben ist häufig, Intelligenz kommt häufig vor
  • Leben ist häufig, Intelligenz kommt selten vor
  • Leben ist selten, Intelligenz kommt häufig vor
  • Leben ist selten, Intelligenz kommt selten vor

Welches ist davon am wahrscheinlichsten? Das lässt sich zumindest für unsere Erde mit Verfahren der Statistik abschätzen. Zwei wichtige Anhaltspunkte nutzen die Forscher in einem neuen Paper dazu:

  1. Leben erschien auf der Erde relativ früh, wahrscheinlich bereits 300 Millionen Jahre nach ihrer Entstehung. Das ist ein echter Schnellstart. Wenn man das statistisch untersucht, ist es 9 mal wahrscheinlicher, dass Leben häufig vorkommt. Selbst, wenn man als den Beginn des Lebens das Vorhandensein allererater Mikro-Fossilien annimmt, ist das Szenario „Leben ist häufig“ noch 2,8 Mal wahrscheinlicher als das Szenario „Leben ist selten“.
  2. Die Ausbildung von Intelligenz hat jedoch deutlich länger gedauert. Die Erde war immerhin schon 4,5 Milliarden Jahre alt, als sie zum ersten Mal auftrat. Ob das zum Besten des Planeten war, sei dahingestellt. Aber statistisch gesehen bedeutet das, dass die Entwicklung von Intelligenz mit einer Wahrscheinlichkeit von 3:2 eher ein seltener Prozess ist.

Bewohnbare, erdähnliche Planeten sollten also sehr wahrscheinlich längst schon bewohnt sein – bis wir jedoch dort andere denkende Wesen finden, werden wir eine große Zahl solcher Planeten erforschen müssen.

2 Comments

  • Die Schabe auf dem Bild ist zwar ganz nett anzusehen, aber nicht wirklichkeitsgetreu. Wirbellose haben ein Exoskelett, welches die anfallenden Kräfte aufnehmen muss. Bei dieser Größe müsste es extrem dick sein, was wiederum zu mehr Masse führt. Irgendwann geht das nicht mehr. Zum Anderen haben diese Tiere keine Lungen, sondern Tracheen. Der Gasaustausch in diesen Tracheen funktioniert ab einer gewissen Größe einfach nicht mehr ausreichend. Sehr schön kann man das beispielsweise bei großen Vogelspinnen sehen, sie geraten recht schnell außer Atem und machen dann eine Pause. Wirbellose in der oben im Bild gezeigten Größe würden sich nur sehr sehr langsam bewegen. Wenn überhaupt!

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BrandonQMorris
  • BrandonQMorris
  • Brandon Q. Morris, 54, ist Physiker und beschäftigt sich beruflich und privat schon lange mit den spannenden Phänomenen des Alls. So ist er für den redaktionellen Teil eines Weltraum-Magazins verantwortlich und hat mehrere populärwissenschaftliche Bücher über Weltraum-Themen geschrieben. Er wäre gern Astronaut geworden, musste aber aus verschiedenen Gründen auf der Erde bleiben. Ihn fasziniert besonders das „was wäre, wenn“. Sein Ehrgeiz ist es deshalb, spannende Science-Fiction-Geschichten zu erzählen, die genau so passieren könnten – und vielleicht auch irgendwann Realität werden.

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