Wie sich Monster-Galaxien von ihre Nachbarn ernähren

In sehr großen, uralten Galaxien, in der Regel mehr als zehn Milliarden Lichtjahre von uns entfernt, verhalten sich viele Sterne anders als in der Milchstraße, wo die große Mehrheit brav der Rotation der Arme um das Zentrum folgt. Warum ist das so? Galaxien haben wohl eine Gemeinsamkeit mit den Menschen: Wenn in ihren Bäuchen zu viel rumort, liegt das an der Ernährung. Die riesigen Galaxien haben viel zu viele ihrer Nachbarn durcheinander und nacheinander verspeist, wie Forscher jetzt im Astrophysical Journal zeigen.

Das Forscherteam hat dabei Daten der Multi-Object Spectroscopic Emission Line (MOSEL) Untersuchung in einer kosmologischen Simulation auf einem Supercomputer analysiert, um herauszufinden, wie sich diese uralten Monster-Galaxien gebildet haben. Wären sie aus eigener Kraft entstanden, müssten sich die Sterne in ihnen nach bestimmten Mustern bewegen. Aber das ist eher die Ausnahme als die Regel. Offenbar hatten die Galaxien in all den Jahren einfach viel mehr Zeit, Galaxien aus ihrer Nachbarschaft zu schlucken als etwa unsere Milchstraße.

Das verrät natürlich auch etwas über die Zukunft – die Milchstraße ist gerade dabei, ihre zwei Satellitengalaxien (die Magellanschen Wolken) zu verspeisen. Mit der Andromeda-Galaxie kommt allerdings ein Nachbar auf uns zu, der noch um einiges größer ist. Vermutlich werden wir also alle irgendwann Einwohner des Andromeda-Nebels sein – falls es uns dann noch gibt.

Dieses Bild zeigt die Kanäle interstellaren Gases, die einen Galaxie mit ihren Nachbarn verbinden (Bild: Gupta et al/ASTRO 3D/ IllustrisTNG collaboration)
Wie sich die Dunkle Materie um eine Galaxie verteilt (Simulation, Bild: Gupta et al/ASTRO 3D/ IllustrisTNG collaboration)

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

BrandonQMorris
  • BrandonQMorris
  • Brandon Q. Morris, 54, ist Physiker und beschäftigt sich beruflich und privat schon lange mit den spannenden Phänomenen des Alls. So ist er für den redaktionellen Teil eines Weltraum-Magazins verantwortlich und hat mehrere populärwissenschaftliche Bücher über Weltraum-Themen geschrieben. Er wäre gern Astronaut geworden, musste aber aus verschiedenen Gründen auf der Erde bleiben. Ihn fasziniert besonders das „was wäre, wenn“. Sein Ehrgeiz ist es deshalb, spannende Science-Fiction-Geschichten zu erzählen, die genau so passieren könnten – und vielleicht auch irgendwann Realität werden.