Wie unsere Milchstraße geboren wurde

Vor 13 Milliarden Jahren sah die Welt noch anders aus. Sterne bildeten sich in schneller Folge und vereinten sich zu Zwerggalaxien, die durch Zusammenstöße mit anderen wuchsen, um schließlich zu den heute beobachtbaren massiven Galaxien zu werden. Unsere Milchstraße hat einen ähnlichen Prozess hinter sich.

Spanischen Forschern vom Instituto de Astrofísica de Canarias (IAC) ist es jetzt gelungen, den Werdegang unserer Heimatgalaxis anhand von Daten des Gaia-Satelliten nachzuvollziehen. Die Astronomen haben dazu Position, Helligkeit und Entfernung von einer Million Sterne in einer 6500 Lichtjahre großen Kugel um die Sonne verglichen. Dadurch konnten sie die Sterne auf mehrere Komponenten aufteilen: das stellare Halo (eine sphärische Struktur, die Spiralgalaxien umgibt) und die dicke Scheibe im Zentrum. Frühere Studien hatten schon gezeigt, dass das Halo wohl aus zwei verschiedenen Komponenten besteht, wobei die eine von blauen Sternen stärker dominiert wird als die andere. Die blaue Komponente wird einer Zwerggalaxie namens Gaia-Enceladus zugeordnet.

In ihrem Paper gelang es den Forschern nun, unter anderem durch eine Analyse der Metallizität (des Metallgehalts) der roten Komponente die komplette Entstehungsgeschichte der Milchstraße zu entschlüsseln. Vor 13 Milliardem Jahren entstanden demnach Gaia-Enceladus und der Vorgänger unserer Galaxis, der etwa viermal größer als Gaia-Enceladus und deutlich metallreicher gewesen sein muss, Vor zehn Milliarden Jahren stießen die beiden Galaxien dann zusammen. Viele der Sterne von Gaia-Enceladus wurden dadurch in chaotische Bahnen gelenkt und bildeten das heutige Halo. Die Kollision führte auch zu wahren Ausbrüchen von Sternentstehung, weil sich das von Gaia-Enceladus mitgebrachte Material mit der Scheibe unserer Galaxis mischte. Schluss damit war dann erst vor etwa sechs Milliarden Jahren.

Vor zehn Milliarden Jahren trafen die beiden Galaxien aufeinander (Bild: Gabriel Pérez Díaz, SMM (IAC).)
So verteilen sich die Anteile von Gaia-Enceladus (blau) und der Ur-Milchstraße heute (Bild: Gabriel Pérez Díaz, SMM (IAC))

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BrandonQMorris
  • BrandonQMorris
  • Brandon Q. Morris, 54, ist Physiker und beschäftigt sich beruflich und privat schon lange mit den spannenden Phänomenen des Alls. So ist er für den redaktionellen Teil eines Weltraum-Magazins verantwortlich und hat mehrere populärwissenschaftliche Bücher über Weltraum-Themen geschrieben. Er wäre gern Astronaut geworden, musste aber aus verschiedenen Gründen auf der Erde bleiben. Ihn fasziniert besonders das „was wäre, wenn“. Sein Ehrgeiz ist es deshalb, spannende Science-Fiction-Geschichten zu erzählen, die genau so passieren könnten – und vielleicht auch irgendwann Realität werden.