Seltsame Objekte im Zentrum der Milchstraße

Mal verhalten sie sich eine Gaswolke, dann werden sie wieder zum fast gewöhnlichen Stern: Die so genannten “G-Objekte”, die Astronomen in einem Artikel im Wissenschaftsmagazin Nature beschreiben, lassen sich schlecht in eine Kategorie pressen. Sechs dieser Objekte haben die Forscher bereits identifiziert. Sie befinden sich alle in unmittelbarer Nähe des Zentrums unserer Milchstraße – im Orbit des supermassiven Schwarzen Loch Sagittarius A*.

Diese Gemeinsamkeit ist es wohl auch, die zu ihrem seltsamen Verhalten beiträgt. G1 bis G6 haben Orbits, die sie in 100 bis 1000 Jahren einmal um das Schwarze Loch führen. Immer, wenn sie ihm dabei zu nahe kommen, werden sie von dessen Anziehungskraft wie ein Kaugummi gedehnt, danach ziehen sie sich scheinbar wieder zusammen.

Die Forscher vermuten, dass es sich bei den G-Objekten um ehemalige Binärsysteme handelt, Systeme aus zwei Sternen also, die unter dem Einfluss von Sagittarius A* irgendwann verschmolzen sind. Aber dieser Prozess ist noch nicht vorüber – normalerweise dauert das Verschmelzen zweier Sterne bis zu eine Million Jahre. Während sie sich nun in ihrem Vereinigungstanz dem Schwarzen Loch nähern, zerrt das die beiden Komponenten auseinander. Danach finden sie durch die eigene Anziehungskraft wieder zusammen.

Künstlerische Darstellung eines G-Objekts. Das Schwarze Loch befindet sich in der Bildmitte. (Bild: Jack Ciurlo)
Die bereits bekannten G-Objekte im Zentrum unserer Milchstraße (Bild: Anna Ciurlo, Tuan Do/UCLA Galactic Center Group)

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BrandonQMorris
  • BrandonQMorris
  • Brandon Q. Morris, 54, ist Physiker und beschäftigt sich beruflich und privat schon lange mit den spannenden Phänomenen des Alls. So ist er für den redaktionellen Teil eines Weltraum-Magazins verantwortlich und hat mehrere populärwissenschaftliche Bücher über Weltraum-Themen geschrieben. Er wäre gern Astronaut geworden, musste aber aus verschiedenen Gründen auf der Erde bleiben. Ihn fasziniert besonders das „was wäre, wenn“. Sein Ehrgeiz ist es deshalb, spannende Science-Fiction-Geschichten zu erzählen, die genau so passieren könnten – und vielleicht auch irgendwann Realität werden.